Kontrolle durch Loslassen - Mit Achtsamkeit zum Eselglück
Mit ihren beiden Eseln erfüllte sich die Kommunikationsexpertin und zweifache Mutter Liz Korte einen Herzenswunsch. Auf Eselwanderungen durch Bachtäler und zwischen historischen Kotten teilt die Solingerin ihre Begeisterung.
Elisabeth Korte, kurz Liz, nimmt das kleine Team des IHK-Magazins herzlich in Empfang, bevor es Fabrice und Monti treffen darf. Das bergische Wetter scheint ihm gesonnen – andernfalls hätte die Wanderung verlegt werden müssen, weil das Fell der Wüstentiere nicht auf Regen ausgelegt ist. Beim Anblick, wie die beiden auf ihrer Weide grasen, ist man von der Idylle schnell verzaubert – zu schnell, denn vom Alter her ist das befreundete Eselspärchen gerade in einer trotzigen Pubertätsphase. Kortes kleine Einführung zur Eselspflege beinhaltet vor allem Verhaltenstipps: Von Anfang an müssen klare Grenzen gezogen werden. Die intelligenten, einfühlsamen Tiere testen bei jedem zunächst, was geht. „Ein Esel erkennt deine Grenzen nur dann an, wenn du sie ihm klar aufzeigst“, warnt die Eselexpertin. „Wenn du den Esel nicht führst, führt er dich.“ Auch der Charakter spielt mit rein: Der gerade mal ein Meter große Miniaturesel Monti ist 5 Jahre alt und als sogenannter Anfänger-Esel etwas sanftmütiger als sein älterer Kumpel. Der forschere Zwergesel Fabrice ist 6 Jahre alt und schlägt mit seinen 100 Kilo Körpergewicht gleich ein sportliches Tempo an.
Ländliches Leben war eigentlich nie ihr Traum, aber als Korte und ihre Familie kurz vor der Pandemie aus Köln nach Solingen-Höhscheid zogen, strebte sie nach mehr Ausgleich und – Eseln. Ein Wunsch, den sie seit ihrer Eselwanderung durch Südfrankreich vor fünfzehn Jahren scherzhaft geäußert hatte, wurde mit dem Umzug real. Esel sind auch die einzigen Tiere, die in Kortes Garten ihren Stall haben und die sie am frühen Morgen beim Kaffeekochen nach ihr rufen hört. In ihrem Job an der Schnittstelle von Innovation und Kommunikation mangelt es Liz Korte weder an Tempo noch an Hightech. Das Eselwandern ist ihre persönliche Entschleunigung, die sie nun in ihrer Freizeit mit anderen teilt.
Der starke Charakter und das Aufrichtige an den Eseln fasziniere sie sehr. „Sie zeigen dir genau, woran man ist, sie wollen niemandem gefallen, sie funktionieren nicht nach Schema X.“ Die Esel verstehen sich wie keine anderen Tiere darauf, für ihre eigenen Freiheiten und Grenzen einzutreten und fordern ihr Gegenüber geradezu auf, es ihnen gleichzutun. Beim zweiten Schritt heißt es: Verhandeln.
„Du kannst nicht mit Dominanz, Stärke und Macht auf den Esel einwirken, du musst ihn überzeugen. Das geht nur über Verständnis, Beziehung und manchmal auch Kompromisse“, erklärt Korte. Noch wirksamer als Meditation würden Esel zu „radikaler Präsenz“ und Achtsamkeit auffordern, denn jedes Anzeichen von Geistesabwesenheit nutzen sie, um ihre eigene Strategie zu verfolgen, und sei es auch der Weg zum leckeren Brombeerstrauch. Der Geheimtipp lautet daher: Kontrolle durch Loslassen.
„Wenn man ganz bei der Sache ist und mit der Energie des Tieres mitgeht, verschafft das eine totale Ruhe,“ schwärmt die Betreiberin von „Eselwandern NRW“. Im Vergleich zu Fluchttieren wie Pferden bleibt ein Esel bei Gefahren wie angewurzelt stehen – nicht aus Sturheit, sondern aus Besonnenheit. Korte sagt dazu auch nicht stur, sondern meinungsstabil. Da Esel Stress und Anspannung wittern können, brauche man mit schlechter Laune gar nicht in den Stall zu gehen, lautet die ungeschriebene Regel bei ihr zu Hause.
Die Touren von „Eselwandern NRW“ variieren in ihrer Komplexität und Dauer von zwei bis sechseinhalb Kilometer. Auf der Coffee Lover Tour, die über den Liewerfrauenweg und entlang des Nacker Bachs führt, kann das Wandererlebnis mit dem Besuch der familiengeführten Kaffeerösterei Wunderlich verbunden werden. Statt Kaffee geht auch Wein: Mit einem kuratierten Verkostungsset des Mainzer Weinhändlers „Geile Weine“. Der Terminkalender von Fabrice und Monti ist bis zur Sommerpause bereits ausgebucht – ab dem zehnten September geht es dann weiter.
Text: Evgenia Gavrilova