KI für alle - Ziel: mündige Menschen
40.000 Euro Preisgeld hat das Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium als Sieger des bundesweiten Wettbewerbs „KI-Schulpreis 2025“ erhalten. KI-Koordinator Felix Urban lehrt unter anderem Philosophie und Informatik.
Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium überzeugte die Jury des Wettbewerbs „KI-Schulpreis 2025“ mit einem systematisch durchdachten pädagogischen Einsatz von KI-Technologien. Was machen Sie anders als andere?
Bei uns ist KI kein Projekt, sondern integraler Teil des Schulalltags. Didaktische KI-Agents begleiten die Schülerinnen und Schüler bei ihren Lernprozessen und aktivieren durch gezielte Rückfragen ihr Denken – anstatt fertige Lösungen vorzugeben. Und auch wir Lehrkräfte werden bei der Lernstandserhebung, Unterrichtsplanung und bei organisatorischen Aufgaben im Schulbetrieb von KI-gestützten Systemen unterstützt. Wir nutzen Anwendungen zur Leseförderung, zur Sprachunterstützung und auch, um individuelle Lernwege zu stärken und schulische Inklusion zu fördern. Am Ende haben alle Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, ihren KI-Führerschein zu machen und fit zu sein für die Nutzung künstlicher Intelligenz. Denn wir brauchen kreativ denkende Menschen, die autonom Schritte in einer selbst gewählten Richtung machen, um Probleme zu lösen oder Ziele zu erreichen.
Wie schaffen Sie es, auch möglichst viele Lehrkräfte mit ins Boot zu holen?
Wir haben KI offiziell als Schulentwicklungsziel definiert und insofern strategisch verankert. Ein zentrales Format ist unser „Digitales Kaffeetrinken“: niederschwellige Online-Kurzfortbildungen von Lehrkräften für das Kollegium. Ergänzend haben wir eine KI-Sprechstunde etabliert und setzen auf interne sowie externe Fortbildungen und pädagogische Tage. Unterstützt wird dies durch systematische Unterrichtsevaluationen in Bereichen, in denen KI zum Einsatz kommt.
Was sehen Sie dabei als die größte Herausforderung?
Angesichts der disruptiven Geschwindigkeit der KI-Entwicklung den Überblick zu behalten und pädagogisch Sinnvolles zu filtern. Wir orientieren uns dabei auch daran, wie in der Wirtschaft professionell mit KI gearbeitet wird. Ein zentrales Problem ist, dass herkömmliche KI-Modelle direkt die Lösungen vorgeben. Um echtes Lernen zu ermöglichen, haben wir in Abhängigkeit von aktueller Forschung eigene Bots entwickelt, die das Denken für unsere Schülerinnen und Schüler nicht übernehmen, sondern als intellektuelle Sparringspartner oder Lerncoaches agieren.
Sie gehen Kooperationen mit Forschungsinstituten und Netzwerken ein, teilen Ihr Wissen mit Unternehmen. Was können die von Ihnen lernen?
Unser selbst entwickeltes „Prisma“-Modell kann ohne Weiteres auch von Firmen adaptiert werden. Potenziale und Risiken werden hierbei beständig neu ermittelt. Der Baustein „Analyse“ dient als konzeptionell verankerte Rückkopplung. Durch einen auf Studien gestützten Evaluationsbogen und beständigen Erfahrungsaustausch machen wir unseren KI-Einsatz messbar. So können wir Integrationen gezielt anpassen, erweitern oder bei fehlendem Mehrwert wieder aufgeben. „Prisma“ durfte ich zum Beispiel bei der Heraeus Bildungsstiftung und bei der Deutschen Telekom-Stiftung präsentieren.
Als KI-Koordinator sind Sie einer der Motoren bei der Weiterentwicklung der Skills von Lehrer- und Schülerschaft, woher nehmen Sie die Motivation neben all den Aufgaben, die der Lehrer-Beruf sowieso schon mit sich bringt?
Ich bin grundsätzlich immer neugierig und auf der Suche nach Wissen. Dabei arbeite ich eklektisch: Ich gehe davon aus, dass keine Theorie die Welt vollständig erklärt. Deshalb kombiniere ich Einsichten aus verschiedenen Denkrichtungen, von klassischer Philosophie bis zu aktueller Forschung, und wähle in Korrespondenz mit Empirie und Logik jene Elemente aus, die fundierte Erkenntnisse befördern. So entstand unter anderem unser Produkt „TimeKey“, das im analogen Schulalltag ein großes Problem löst: den Verlust der Toilettenschlüssel.
Es scheint, die Energie, Neues zu entdecken, geht Ihnen nicht aus …
Nein, das glaube ich auch nicht. Ich gründe gerade zusammen mit einer Freundin, die sich auf intelligentes Wissensmanagement fokussiert, sowie zwei Experten vom Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering ein Software-Unternehmen, das eine vernetzte Wissens-Plattform anbietet, die von Schulen und Unternehmen gleichermaßen genutzt werden kann – KI-gestützt und datenschutzkonform und mit für die jeweiligen Bedarfe spezifischen KI-Agenten.
Was soll mit dem Preisgeld passieren?
Das wissen wir tatsächlich noch nicht. Wir haben ein Komitee aus Schülern, Eltern und Lehrern gegründet und die werden sich das gut überlegen.
Was gefällt Ihnen besonders gut im Bergischen Land?
Mir gefällt als Gegenpol zum digitalen Arbeiten das Leben in der Natur – Bewegung, Entspannung im Grünen. Und das geht nun einmal besonders gut hier im Bergischen Land.
Ihr Geheimtipp hier im Städtedreieck?
Der Toelleturm in den Barmer Anlagen. Dort können die Kids spielen. Und das Eis im Pavillon schmeckt Großen und Kleinen. Auf den Grünflächen kann man entspannen und hat übers Tal einen fantastischen Ausblick bis nach Remscheid und Düsseldorf.
Das Gespräch führt Liane Rapp.