Anhänger für alle Lebenslagen - Ein Leben in Bewegung
Ob für Möbel oder Baumaterial: Im Grunde bei allem, was bewegt werden muss und unter dreieinhalb Tonnen wiegt, hilft ein Anhänger. Mit über 450 verschiedenen Modellen ist das Fachgeschäft Schlick die erste Adresse im Bergischen Land.
Vermietung, Verkauf und Fachwerkstatt bietet das Geschäft in der Barmer Winchenbachstraße für ein Rundum-sorglos-Paket – sollte der eigene Anhänger mal repariert werden, finden sich die Bauteile bereits auf Lager und in der Zwischenzeit ist mit einem Mietanhänger für Ersatz gesorgt. Ebenso unterschiedlich wie ihre Einsatzbereiche sind die Anfertigungen: von Planenanhängern bis hin zu offenen Modellen für Grünschnitt oder Kies, Autotransportern, Motorradanhängern, Kühlkoffern, Kippanhängern oder Absenkanhängern bis zu fünfeinhalb Meter Länge. Die Produktwahl, gerade im Gewerbebereich, ist von der Tonnage, von der Handhabung und vom Aufbau her genauso individuell wie die Bedürfnisse des Kunden, weiß Tobias Winter, der sich bei Bedarf auch fünf oder sechs Mal zur Beratung trifft. Speziallösungen für Langmaterial oder mit einer ausziehbaren Deichsel – in Schlicks Lagerhalle steht für viele Herausforderungen das passende Modell parat. Und wenn nicht, dann werden die Sonderaufträge zu den Herstellern weitergeleitet, die sie nach Zeichnungen konstruieren. Vor der Kaufentscheidung lassen sich die meisten Anhänger zum Testfahren aus dem eigenen Fuhrpark mieten.
Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich die Firma neben dem damaligen Thalia Theater am Islandufer und trug den Namen „Fahrzeugfabrik Westfalia Franz Knöbel Söhne“. Dieter Schlick, der Schwiegersohn des Gründers Carl Saam, übernahm sie 1972 und bezog die heutigen Räumlichkeiten in Barmen fünf Jahre später. Seitdem stehen den Anhängern 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche und weitere 800 Quadratmeter für Lager und Werkstatt zur Verfügung. Als Dieter Schlick nach einem Nachfolger suchte, traf er Tobias Winter zufällig beim 80. Geburtstag dessen Vaters am Kaffeetisch. Winter, zu dem Moment noch in Irland wohnhaft, war interessiert, kam nach Wuppertal, um einen ersten Eindruck zu bekommen, ließ sich einarbeiten und übernahm die Firma in 2014.
Der Düsseldorfer mit kaufmännischer Ausbildung hatte schon immer vielfältige berufliche Stationen: Im Jahr 1998 ging Tobias Winter nach Spanien, machte sich dort selbstständig, belieferte rund 145 Restaurants mit Obst und Gemüse und lernte die Sprache nebenher. Als 2008 die Finanzkrise kam, zog er mit seiner Ehefrau nach Irland und startete beim Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen Caterpillar im IT-Bereich. 2011 wurde der kräftig gebaute, zwei Meter große Tobias Winter auf der Straße von einem Scout entdeckt und eingeladen, als Nebendarsteller in einer der bekanntesten Serien der Welt „Game of Thrones“ mitzuspielen. Als einäugiger Timett, Sohn des Timmet, durfte Winter über vier Folgen lang einen gefährlichen Bergstamm aus den Mondbergen im Grünen Tal anführen.
Die Arbeit auf dem Set war eine „Riesenerfahrung“, daran denkt er gerne zurück. Nach seiner letzten Rolle für „The Fall – Tod in Belfast“, eine Krimi-Serie der BBC, nahm allerdings der Job im anderen grünen Tal überhand. Bis heute bekommt Tobias Winter Rollenangebote aus Deutschland, aber die Dimension fehlt: „Wenn ich in Irland geblieben wäre, wäre das ganz anders gelaufen“, grinst er. Das Wissen über Anhänger sowie die gesamte Online-Präsenz des Unternehmens mussten erst aufgebaut werden und das kostete viel Zeit. Mit Anhängern fand Winter etwas, womit er sich identifizieren konnte, nicht weniger wichtig waren die Unabhängigkeit und der intensive Kundenkontakt: Egal, ob per Anruf oder durch Laufkundschaft – der Inhaber ist durchgehend gefragt. Mittlerweile sind er, seine Frau und ihre beiden Teenager in Wuppertal beheimatet, zumindest für die nächsten neun Jahre. Wohin es ihn allerdings dann hinzieht, hat er noch nicht entschieden.
Text: Evgenia Gavrilova