Start-up - Messen digitaler machen
Das Wuppertaler Start-up-Unternehmen Fair Up krempelt mit einer Eventmanagement-Software die Welt der Messen um. Durch digitalisierte Prozesse und den Einsatz von KI profitieren alle Beteiligten.
Die Zukunft der Arbeitswelt ist in einem Büro im W-Tec Haus 4 an der Heinz-Fangmann-Straße 2-6 gelebte Realität. Dort steht zwar das übliche PC-Equipment. Aber wie die junge Firma Fair Up arbeitet, was sie entwickelt hat und weltweit anbietet, und wie selbstverständlich sie Künstliche Intelligenz (KI) einsetzt, wirkt futuristisch. Wer Geschäftsführer Jan-Philipp Koch zum Beispiel nach der Mitarbeiterzahl fragt, erhält eine überraschende Antwort: „Wir sind ein Dreier-Team, aber jeder hat einen digitalen Mitarbeiter, nur unser CTO verfügt über drei. Diese haben alle eigene Internet-Räume, eigene Identitäten, erledigen vieles eigenständig und lernen dazu.“ Damit entlasten sie das Gründungs-Team, das sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann: Kunden – Unternehmen, Städte, Universitäten, Vereine, Event-Agenturen, Wirtschaftsförderungen – mit der von Fair Up entwickelten Eventmanagement-Software Veranstaltungsorganisation zu erleichtern.
Frustration über die weit verbreitete veraltete Art, wie Messen organisiert werden und ablaufen, sei der Auslöser für die Geschäftsidee gewesen, erzählt der Betriebswirt. Auf einer Messe der RWTH Aachen erlebte er, dass Informationen noch ausschließlich als PDF-Dateien abrufbar waren. Zu viele Tools, zu viel manuelle Arbeit, zu wenig Effizienz führten bei Ausrichtern zu Unzufriedenheit und Stress. Von einer Digitalisierung waren sie weit entfernt. Koch: „Das wollte ich ändern. Ich fand Mitstreiter, die ich aus Schulzeiten kannte, darunter einen Freund mit Masterabschluss in KI-Wissenschaften.“ Vor gut einem Jahr gelang es ihm zusammen mit Christian Weber, Frederik Bendel und Konstantin Schultewolter, die Jury des W-tec Fördervereins mit ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. Sie erhielten das Gründungs-Stipendium „W-Stip“. Dank Investoren aus Wuppertal, Düsseldorf und Frankfurt konnten sie ihre Vision von einer spezialisierten Eventmanagement-Software für Business- und Karrieremessen verwirklichen, die sämtliche Abläufe von der Planung bis zur Abrechnung und sogar zum KI-gestützten Matching auf der Veranstaltung abdeckt.
„Wir bieten keine Tools an, sondern eine Infrastruktur in einem einzigen digitalen Raum“, erläutert Koch. Über diese „All-in-One-Plattform“, die jeweils auf die Kunden individuell zugeschnitten werden, laufe alles ab: Planung, Durchführung, Kommunikation und Nachbereitung. Der User öffnet am PC nur ein Fenster statt vieler einzelner. Die Software sei nutzerfreundlich. Es reiche, wenn der Kunde eine Schulung durchlaufe. Einmal erarbeitet, kann das Konzept als Vorlage für die nächsten Messen dienen. Fair up finanziere sich demnach über die Jahres-Abonnements der Kunden. „Wir haben die Cloud-Infrastruktur nach höchsten Standards geschützt“, sagt Koch zum Thema Datenschutz.
Der Betriebswirt öffnet am PC einen solchen digitalen Raum. Darin können Veranstalter und Teilnehmer chatten, sich vor der Messe vernetzen, ihre Produkte und Jobs beschreiben oder Buchungen verwalten. Informationsaustausch und Wissenstransfer werden für alle Beteiligten erleichtert. Das Technologiezentrum Wuppertal (W-tec) gehörte zu den ersten Nutzern der Software; heute vertrauen Universitäten und Veranstalter in ganz Deutschland auf die Lösung. Regional zählen dazu die Circular Valley Convention, die Veranstaltungsreihen der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie die Bergische Universität Wuppertal mit ihrem Recruitingtag. Kürzlich feierte Fair Up eine Premiere auf internationalem Parkett: Die Karrieremesse der „Canadian University Dubai“ mit über 50 Ausstellern sowie namhaften Weltkonzernen konnte trotz der krisenbedingten Absage der Vor-Ort-Termine in virtueller Form stattfinden.
Für die Zukunft planen die Gründer, den deutschen Markt zu festigen, jede dritte Hochschule als Kunden zu gewinnen und bis Mitte 2027 rund 70 Prozent der Organisationsprozesse durch KI-Unterstützung zu automatisieren. „Die KI übernimmt die komplexen Prozesse im Hintergrund, damit bei der Veranstaltung selbst wieder das Wesentliche im Fokus steht: die persönliche Begegnung und der echte Kontakt“, betont Jan-Philipp Koch.
Text: Sólveig Pudelski