Rundgang durchs Luisenviertel - Genießen und shoppen
Überall sitzen Menschen in Cafés und Restaurants, Boutiquen locken mit liebevoll gestalteten Schaufenstern. Das Luisenviertel in Wuppertal zieht mit seiner besonderen Atmosphäre zu jeder Tageszeit Besucher an.
Freundinnen erzählen sich bei einem Latte Macchiato ihre Erlebnisse, Männer plaudern in kleinen Grüppchen, Ehepaare genießen die Sonnenstrahlen. Seit Autos vom Laurentiusplatz verbannt wurden, hat sich der Platz in Elberfeld noch stärker als vorher zum Treffpunkt für alle Altersgruppen entwickelt. Die Menschen sitzen in den Cafés und Restaurants rund um den Platz ebenso wie auf den vielen Sitzbänken unter den Linden.
„Wir haben neulich Blumen an Passantinnen verteilt – darunter waren viele, die aus München, Frankfurt, Wien gekommen sind und begeistert waren von diesem Viertel“, erzählt Süleyman Kayaalp von der IG Friedrich-Ebert-Straße (und Geschäftsführer von wppt:kommunikation, der Agentur hinter der Bergischen Wirtschaft, Anm. d. Red.). Das Luisenviertel hat alles, was Menschen schätzen: kleine Boutiquen mit Mode, Schmuck, Haushalts- und Spielwaren, Gastronomie unterschiedlichster Art, hübsche Altbauten und den großzügigen Platz vor der Kirche.
An warmen Tagen ist das ganze Viertel voller gut gelaunter Menschen, die durch die Straßen flanieren und vor den Cafés und Kneipen sitzen. Im Sommer lockt das große Open-Air-Konzert des Wuppertaler Sinfonieorchesters Wuppertaler und Auswärtige hierher. Vor Weihnachten schätzen viele den Weihnachtsmarkt mit der Eisbahn auf dem Platz. Zusätzlich veranstaltet die IG Friedrich-Ebert-Straße Aktionen wie „Das Viertel leuchtet“ mit Lichtern und leuchtenden Acts, also Menschen in leuchtenden Kostümen, oder „Das Viertel klingt“ mit Auftritten der Bergischen Musikschule. In Zukunft sollen solche Events weiter ausgebaut werden.
„Das Viertel hat eine ganz eigene Struktur – wir müssen aufpassen, dass diese erhalten bleibt“, sagt Frank Vogts, Vorsitzender der IG Friedrich-Ebert-Straße. Dazu gehört etwa, dass die IG Luisenstraße schon vor vielen Jahren durchgesetzt hat, dass es im Viertel keine Plastikstühle gibt. Stattdessen stehen Holzstühle oder Loungemöbel vor den Lokalen. Beim Autoverkehr scheiden sich die Geister: Die einen würden den Autoverkehr gerne komplett aus dem Luisenviertel heraushalten, um die Aufenthaltsqualität zu stärken, Einzelhändler befürworten hingegen Parkmöglichkeiten direkt vor ihrer Haustür. Reichlich vorhanden sind in jedem Fall die Abstellflächen mit stabilen Bügeln für Fahrräder.
Stark verändert hat sich die Friedrich-Ebert-Straße in den vergangenen Jahren. „Als ich die Räume 2017 übernommen habe, habe ich zu verschiedenen Zeiten die Passanten gezählt. Inzwischen haben wir zwölfmal so viele Passanten wie damals“, erzählt Cemal Sisman, Inhaber von Chicoffee. Damals sei die Straße von Leerstand geprägt gewesen; heute übersteige die Nachfrage nach Ladenflächen das Angebot. „Seitdem haben im Umkreis von 200 Metern sieben Cafés und etliche weitere gastronomische Betriebe eröffnet“, sagt Sisman. „Das schafft auch Arbeitsplätze.“ Er selbst beschäftigt mittlerweile neben fünf Vollzeitkräften 13 Mitarbeitende in Teilzeit – häufig erfahrene Hausfrauen, die die Küche organisieren – sowie eine Handvoll Aushilfskräfte im Service.
Sisman sorgte in seinem Café mit bodentiefen Fensterflächen und vielen Außensitzplätzen für ein anziehendes Ambiente. Dazu kommt der selbst geröstete Kaffee, den das Familienunternehmen von Kleinbauern in Afrika und Südamerika bezieht. Regelmäßig besuchen Cemal Sisman und seine Söhne Timur und Yunus die Kaffeebauern, um geeignete Sorten auszusuchen. Das honorieren die Kaffeeliebhaber.
Ein Treffpunkt seit 23 Jahren ist das Beatz und Kekse an der Luisenstraße. Von außen fällt es dadurch auf, dass die Fensterscheiben als Plakatwand für Kulturankündigungen dienen. Drinnen fühlt man sich in die 1970er-Jahre zurückversetzt. Ein Teil der Einrichtung stammt tatsächlich noch von damals. „Uns ist es vor allem wichtig, ein offener Wohlfühlort für alle zu sein. Bei uns wird kein rassistisches oder sexistisches Verhalten geduldet“, betont Inhaberin Nina Camoeiras Yañez. Jeder und jede soll sich willkommen fühlen.
Gerne betrachtet werden die Schaufenster des Buchladens „Laurenz & Luise“ direkt am Laurentiusplatz. „Wir achten darauf, unsere Schaufenster regelmäßig umzudekorieren, damit es öfters etwas Neues zu entdecken gibt“, sagt Kerstin Hübner, die die Buchhandlung vor knapp zwei Jahren eröffnet hat. Zum Weltfrauentag gab es Literatur von und über Frauen, danach wurden Bücher über Frankreich, Mangas und aktuelle Sachbücher präsentiert. „Immer mehr Menschen entdecken uns und kommen dann auch wieder“, freut sich Kerstin Hübner. Auch kleine Veranstaltungen finden in der Buchhandlung statt: So haben sich zum Tag des Buches 26 Klassen angesagt. Großer Beliebtheit erfreut sich die „Schmökerzeit“ – hier kann man an ausgewählten Abenden nach Ladenschluss für zwei Stunden in Ruhe stöbern und ganz viele Bücher anlesen.
Hübsche Mode für den Arbeitstag, etwas Besonderes fürs Ausgehen am Wochenende oder raffinierte Teile, die schnell zum Lieblingsstück werden, finden Flaneure reichlich im Luisenviertel. In kleinen bis mittelgroßen Boutiquen gibt es für jeden Geschmack eine gute Auswahl – und dazu echte Beratung, die das Suchen erleichtert. „Wow, guck dir das an – das muss ich unbedingt anprobieren“, sagt eine junge Dame zu ihrer Freundin und zieht sie ins Geschäft. Elegante Dessous und Nachtwäsche sind am Laurentiusplatz ebenfalls zu finden.
Eine zweite Chance für getragene, gut erhaltene Blusen, Pullis, Hosen und Shirts bietet „Garderobe Secondhand“ in der Luisenstraße. Gut erhaltene Mode kann dort in Kommission gegeben werden. Was nach drei Monaten noch nicht verkauft ist, geht zurück an die Eigentümer oder an soziale Einrichtungen. „Am besten läuft bei uns etwas ganz Schräges, Ausgeflipptes“, verrät Inhaberin Annette Stange. Von Zara bis Prada sei alles in ihrem rosa gestrichenen Laden zu finden. In dem gemütlichen Ambiente können Kundinnen in Ruhe stöbern und anprobieren.
Schöne Dinge für Tisch und Küche präsentiert Bertha’s. Ob eine Etagere für ein stilvolles Brunch, handgemachte Gewürzmischungen oder ein elegantes Servierbrett aus nachhaltigem Holz – der hübsche Laden lädt zum Staunen ein, aber auch zum Probieren: Täglich frisch gibt es Näschereien, die Inhaberin Canan Kayaalp selbst herstellt. Mit „Sachen die glücklich machen“ wirbt Frau Wunder, ebenfalls schon viele Jahre lang im Luisenviertel ansässig. Jennifer Isenberg präsentiert in ihrem Geschäft nachhaltige Mode für Kinder und Erwachsene ebenso wie Taschen und Accessoires.
Doch auch ausgefallene Gegenstände lassen sich im Luisenviertel finden. Soll es vielleicht ein ganz spezieller Rasierpinsel sein? Bei Shesher stehen die Chancen gut. Dazu können Herren gleich einen Workshop für die perfekte Nassrasur buchen. Durch eine geheimnisvolle, langgestreckte Löv geht es zu Sybille Konrad Kosmetik. Große Menschen müssen den Kopf einziehen, um hindurchzugelangen. Solche verwinkelten Ecken machen den Charme des Viertels aus. Kristallgläser, Vasen aus den 60er- und 70er-Jahren, aber auch Kleinmöbel belohnen den Blick ins Schaufenster von „33 Quadratmeter Raum für schöne Angelegenheiten“.
Schmuck wird in verschiedenen Läden im Luisenviertel angeboten. Besonders lange existiert schon der Rosa Schmuckladen. Seit 49 Jahren betreibt Johanna Hecker-Beer das Geschäft mit dem namensgebenden Spiegel mit rosa Rahmen. Klassische Anhänger und Eheringe prangen neben ausgefallenen Ketten und Broschen. Auf Wunsch werden Schmuckstücke auch individuell angefertigt.
Kulturorte sind ebenfalls fest im Viertel verankert. Der von Freejazzer Peter Kowald geschaffene „ort“ liegt direkt an der Luisenstraße und bietet Musikern verschiedener Stilrichtungen eine Heimat und Bühne. Freejazz, Improvisation, Experimentelles und Genreübergreifendes sind dort zu hören, rein ehrenamtlich organisiert und vielfach ausgezeichnet.
Noch ein paar Stufen höher, an der Plateniusstraße 35, befindet sich das „Loch“. Aus der ehemaligen Kinder- und Jugendbibliothek ist ein offener, experimentierfreudiger Kulturort geworden. Im Mittelpunkt steht ein mehrfach ausgezeichnetes Musikprogramm, das von Konzerten und Jam-Sessions bis hin zu genreübergreifenden Formaten reicht. Ergänzt wird es durch Projekte, die auf Beteiligung und Austausch setzen. „Mit über tausend Besuchenden im Monat sehen wir, wie groß der Bedarf an frei zugänglichen Kulturorten ist. Mit dem Loch-Programm möchten wir Räume für kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe öffnen und so zur gesellschaftlichen Verständigung beitragen. Unser Ziel ist es, die Potenziale von Kunst, Kultur, Bildung und Gemeinschaft in einen lebendigen Dialog zu bringen. Mitmachen ist dabei strengstens erwünscht“, sagt Bea Meder, Leiterin des Veranstaltungsbüros vom Loch.
Text: Tanja Heil