Buchhandel in Vohwinkel - Nah dran sein

Die Buchhandlung Jürgensen ist die einzige Buchhandlung unter der Schwebebahn. Es gibt sie seit mehr als 50 Jahren – sie ist dabei immer in Bewegung, um den Wünschen der Kunden gerecht zu werden.

Die Buchhandlung Jürgensen in Wuppertal-Vohwinkel ist eine Institution, es gibt sie seit über 50 Jahren. Das Geschäft selbst gibt es noch länger, die Eltern von Gesa Jürgensen haben den Laden 1973 übernommen, zunächst mit Leihbücherei, denn was die Stadtbibliothek nicht führte, das gab es hier zum Ausleihen. „Das waren Wildwest-Romane, Liebesschmöker und Krimis, in der Stadtbibliothek gab es nur anspruchsvollere Literatur“, erzählt Jürgensen. Anfang der 80er-Jahre lief das Leihgeschäft aus und 1999 übernahm sie den Laden, nachdem ihre Mutter verstorben war. Damals war die Buchhandlung noch in der Rubensstraße beheimatet, wo der Solinger O-Bus hielt. 2006 erfolgte der Umzug in die aktuellen Räume an der Vohwinkeler Straße, im Herzen von Vohwinkel. „Und das ist ja eigentlich der schönste Platz der Welt, oder? Wir sind die einzige Buchhandlung weltweit unter der Schwebebahn. Und auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ein Park. Das ist ein richtig schönes Arbeiten hier, direkt am Kaiserplatz, mit einer tollen Wahrnehmbarkeit und Laufkundschaft.“ Dennoch, der Großteil der Kundschaft besteht aus Stammkunden, denn die Vohwinkeler sind ein treues Völkchen, die gerne im Stadtteil bleiben und am liebsten ihren kompletten Bedarf vor Ort abdecken wollen, wie Jürgensen anmerkt. Sie schätzt den Anteil der Stammkundschaft auf rund 70 Prozent. Als der letzte Spielwarenladen im Stadtteil schloss, entschied sie sich, ein kleines Sortiment an Spielwaren aufzunehmen, um beispielsweise die beliebten Geburtstagskisten anbieten zu können. Als dann auch das Haushaltswarengeschäft Feuerstein verschwand, wurde das Non-Book-Angebot um stilvolle Geschenkideen für Erwachsene erweitert. So hat sich die Buchhandlung zu einem kleinen Nahversorger entwickelt – ganz ohne den Kernfokus auf Bücher aufzugeben.

Krimis sind der ewige Dauerbrenner im Sortiment, vor allem die skandinavischen, die bereits in den späten 60er-Jahren ihren Siegeszug antraten. „Wenn ich mir die Verlagsvorschauen angucke, würde ich sagen, fast die Hälfte sind skandinavische Krimiautoren“, sagt Jürgensen. Generell sei Unterhaltungsliteratur sehr beliebt. Dann seien Kinderbücher sehr stark, Mangas im Jugendbereich und was auch gerade auf dem Peak ist, sind Young- sowie New-Adult-Romane. Einen großen Aufschwung erlebt auch gerade das erzählende Sachbuch, wie es Florian Illies mit „1913: Der Sommer des Jahrhunderts“ oder aktuell mit „Träume aus Feuer“ geschrieben hat. „Von Reiseführern haben wir uns aber komplett verabschiedet, weil man sowieso immer die Falschen da hat“, erklärt Jürgensen schmunzelnd, „aber man kann sie natürlich bestellen.“ Grundsätzlich sind alle Titel bestellbar, wenn sie nicht vorrätig sind. Und was viele nicht wissen, die Bestellung ist am nächsten Morgen schon da, das geht somit oft schneller als mit dem Versandhandel. Man kann vor Ort bestellen, telefonisch, aber auch im Internet, wo Jürgensen mit dem Großhändler Könemann zusammenarbeitet.

„Ich bin ein von Grund auf optimistischer Mensch“, sagt Jürgensen. Auch wenn sie klar sieht, dass die ältere Stammkundschaft, die mit Stapeln von Hardcovern den Laden verlässt, langsam weniger wird und nicht mehr eins zu eins nachrückt. Jüngere Leserinnen und Leser lesen anders, digitaler. Gleichzeitig beobachtet sie viele junge Familien, die bewusst wieder zum gedruckten Buch greifen, als Gegenpol zum Bildschirm und als Vorbild für ihre Kinder. Und genau da sieht Gesa Jürgensen die Chance und die Aufgabe des lokalen Buchhandels: nah dran sein, individuell empfehlen – und für den nötigen Nachschub sorgen.

Text: Tassilo Dicke

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